Tarifvertrag friseur- und kosmetikverband nrw


Trotz der hohen Tariferstattungsquoten in den meisten EU15-Ländern sind jedoch sowohl die Gewerkschaftsquote als auch die Gesamtdichte der Arbeitgeberorganisationen im Bereich der persönlichen Dienstleistungen in diesen Ländern tendenziell niedrig. Die Schwierigkeiten, mit denen die Gewerkschaften bei der Einstellung von Arbeitnehmern in diesem Sektor konfrontiert sind, können auf verschiedene Faktoren zurückzuführen sein – wie die hohe Inzidenz von atypischer Arbeit und Beschäftigung von Frauen, die geringe Größe der meisten Betriebe, die hohe Fluktuation des Personals und die begrenzte Kapazität der beteiligten Gewerkschaften, Anreize für potenzielle Mitglieder zu schaffen. Diese relative Schwäche der organisierten Arbeit in diesem Sektor führt zu allgemein schlechten Löhnen und problematischen allgemeinen Arbeitsbedingungen, insbesondere in Bezug auf Arbeitszeit, Ausbildung, Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben und berufliche Weiterentwicklung. Um zumindest einige dieser Probleme anzugehen – insbesondere in Bezug auf Ausbildungsstandards und Gesundheit und Sicherheit –, haben die Sozialpartner des Sektors auf europäischer Ebene, d. h. coiffure EU auf Arbeitgeberseite und die Abteilung Haar und Schönheit von UNI-Europa auf Arbeitnehmerseite, einige gemeinsame Initiativen im Rahmen des sozialen Dialogs ins Leben gerufen. In diesem Zusammenhang wurden seit dem Jahr 2000 eine Reihe gemeinsamer Erklärungen und Leitlinien ausgearbeitet und vorgelegt. Trotz dieser Bemühungen wurden jedoch bisher keine wesentlichen Ergebnisse erzielt – weder im Hinblick auf die geplante Harmonisierung der Ausbildungsnormen im Friseurhandwerk noch in Bezug auf die Verbesserung der allgemeinen Arbeitsbeziehungen. Dennoch ist die Abteilung Haar und Schönheit von Coiffure EU und UNI-Europa als bei weitem die wichtigste, wenn nicht die einzige EU-weite Vertretung der Arbeitgeber und Arbeitnehmer des Personaldienstleistungssektors anzusehen.

Aufgrund der eindeutigen Verbreitung von Siedlungen mit mehreren Arbeitgebern in diesem Sektor ist der Einsatz von Erweiterungspraktiken erheblich. Für Belgien, Finnland, Deutschland, die Niederlande, Portugal und Spanien werden weit verbreitete Erweiterungspraktiken im Bereich der persönlichen Dienstleistungen gemeldet. In Schweden beschränken sich die Erweiterungspraktiken auf die Friseurindustrie. Unter Bezugnahme auf das Ziel der Verlängerungsbestimmungen – d. h. die allgemeinverbindliche Nutz-Arbeitgeber-Vereinbarungen – sind auch die Bestimmungen für die Obligatorische Mitgliedschaft in den Kammersystemen Österreichs und Sloweniens zu beachten. Die Pflichtmitgliedschaft schafft einen Erweiterungseffekt, da die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) sowie die slowenische OZS und ihre jeweiligen Untereinheiten Antarifen von Mehrarbeitgebern sind. Da in Österreichs Schönheitsbehandlungsbranche derzeit jedoch kein Tarifvertrag in Kraft ist, gibt es auch in diesem Teilsektor keine Erweiterungspraxis.

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